Donnerstag, 17. September 2015

WELCOME REFUGEES





"What do you need? Shoes? Trousers? Or something else?" - "Just talking." 

Schon mit 13 war ich sehr an Politik interessiert und fühlte oft für andere verantwortlich. Führte Diskussionen, besuche Demonstrationen und setzte mich für Minderheiten und Schwächere ein. Ich konnte noch nie nachvollziehen, wie einem das Leid und die Probleme anderer egal sein könnte und war auch noch nie der Typ, der einfach weg schauten konnte. 
Auch in meiner Schulzeit hörte ich einige Male, mein Gerechtigkeitssinn anderen gegenüber sei zu ausgeprägt und ich würde mir deshalb häufig selbst ein Bein stellen. Ich konnte nie verstehen, warum andere schweigen, wenn es doch um "etwas ginge" (so unwichtig es mittlerweile auch erscheinen mag). Sei es, um Probleme oder Missstände deutlich zu machen oder eine Meinung zu vertreten. Zu oft war es hinter mir still, selbst wenn mir vorher alle anderen Klassenkameraden ihre Unterstützung zugesichert und erklärt hatten "man müsse etwas sagen". 
Es heißt doch immer man soll kritisch hinterfragen, nicht alles ungefragt hinnehmen und seine Kräfte aktivieren, um etwas sinnvolles beizutragen. Die Realität sieht allerdings so aus, dass ich vielleicht eine Hand voll dieser Menschen getroffen habe, der Rest konnte gut reden oder weder noch. 
 
Vor einiger Zeit brachte ich einige Sachen zu einem Flüchtlingsheim in meiner Nähe. Das Auto bis zum Rand vollgepackt, machten wir uns ziemlich aufgeregt auf den Weg. Gespannt, wie die Leute unsere Spenden aufnehmen würden und wie die Situation vor Ort wirklich ist. Zwischenzeitlich hatten wir schon die Befürchtung mit dem vollen Auto zurückkehren zu müssen und somit auf 100 Babywindeln und 1000 anderen Dingen zu sitzen. Natürlich völlig unbegründet, denn die Sachen waren so schnell weg, dass wir es selbst kaum glauben konnten. So sehr wir uns freuten, dass die Menschen unsere gesammelten und teilweise gekauften Dinge gebrauchen konnten und sich darüber freuten, umso bewusster wurde uns aber auch die Not. Es fehlte an allem und selbst mit 10 Autos wäre es nicht genug gewesen.
Dieser Tag war trotzdem Positiv. Wir führten schöne Gespräche und einfach zeigten, dass die Leute dort nicht allein sind und das die Bevölkerung und Deutschland sehr wohl an ihnen interessiert ist und sie gerne unterstützt. Ich sprach einen Jungen, ca. 21 Jahre alt, an und fragte was er am dringensten braucht: "Schuhe? Hosen? Oder irgendetwas anderes?". Er antwortete mir, dass er lediglich reden wolle. An dieser Stelle musste ich wirklich schlucken. Ich riss mich zusammen und fühlte dennoch für ein paar Sekunden wie es sein muss, niemanden mehr zu haben, das Gefühl, dass sich niemand für dich interessiert und wie es sein muss, wenn man keine Vorstellung hat, wie die eigene Zukunft einmal aussehen wird. Furchtbar und Realität für viele Flüchtlinge.

Wenn jeder ein Stück zu etwas Gutem beitragen und tun würde, was für ihn möglich ist, könnte alles so viel besser sein. Doch statt dessen stößt man, besonders im Internet, auf so viel Hass und Egoimus. Zu viele Menschen, ohne Mitgefühl und voller Vorurteile. Voller Eifersucht, Geiz und Wut. Diese Tatsache macht mich traurig und raubt mir meine Kräfte. Andererseits bin ich froh, wie viele Leute der Thematik offen gegenüberstehen, helfen und die Probleme gemeinsam anpacken wollen, anstatt sich hinter Ängsten zu verstecken.

Ich wollte dieses Thema kurz anschneiden, auch wenn das hier nicht unbedingt ein politischer Blog ist, beschäftigt mich dieses Thema doch sehr. Lange Zeit habe ich nachgedacht, ob es passt oder nicht, bis ich mich dazu entschlossen habe, dass es mir egal ist, ob etwas passt oder nicht. Es ist mein Blog, ich interessiere mich für etwas und wenn ich das teilen möchte, teile ich das.
In diesem Sinne, bis bald.

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